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Volksbräuche

Das Pommernlied

Wenn in stiller Stunde Träume mich umweh´n,
bringen frohe Kunde Geister ungeseh´n,
reden von dem Lande meiner Heimat mir,
hellem Meeresstrande, düsterm Waldrevier.
   
Weiße Segel wiegen sich auf blauer See,
weiße Möwen fliegen in der blauen Höh´,
blaue Wälder krönen weißer Dünen Sand;
Pommernland, mein Sehnen ist dir zugewandt!
  
Aus der Ferne wendet sich zu dir mein Sinn,
aus der Ferne sendet trauten Gruß er hin.
Traget, laue Winde, meinen Gruß und Sang,
wehet leis und linde treuer Liebe Klang!
  
Bist ja doch das eine auf der ganzen Welt,
bist ja mein, ich deine, treu dir zugesellt.
Kannst ja doch von allen, die ich je geseh´n,
mir allein gefallen, Pommernland, so schön. 
 
Jetzt bin ich im Wandern, bin bald hier, bald dort;
doch aus allen andern treibt´s mich immer fort.
Bis in dir ich wieder finde meine Ruh,
send´ ich meine Lieder dir, o Heimat, zu!

Vielerlei Sitten und Gebräuche begleiten das Leben des Menschen von der Wiege bis zum Grabe. Da gerade die Landbevölkerung liebe und vertraute Gewohnheiten nicht gern aufgibt, konnten Sitten und Gebräuche über viele Generationen hindurch überliefert werden und waren daher sehr alt.
In der Fastnacht vermummten sich die Kinder und zogen in kleinen Gruppen von Haus zu Haus und sagten ihren Spruch auf:
"Hippel die Pippel,
die Wurscht hat zwei Zippel,
der Speck hat vier Ecken,
das muss man so schmecken.
Oder:
Hippel die Pippel,
die Wurscht hat zwei Zippel,
zwei Zippel hat die Wurscht,
der Bauer hat Durscht.
Durscht hat der Bauer,
das Leben ist ihm sauer,
sauer ist ihm das Leben,
der Weinstock trägt drei Reben,
drei Reben trägt der Weinstock,
ein Kalb ist kein Ziegenbock,
ein Ziegenbock ist kein Kalb,
alle meine Herren,
meine Predigt ist halb.
Halb ist meine Predigt,
mein Bauch ist ledig,
ledig ist mein Bauch,
meine Mütze ist Rauch,
Rauch ist meine Mütze,
mein Bruder heißt Fritze,
Fritze heißt mein Bruder,
ein Schwein ist kein Luder,
ein Luder ist kein Schwein,
alle meine Herren,
meine Predigt soll zu Ende sein.
 
Auch folgender Vers von einem echt pommerschen Kind gesprochen, klang er etwa so:
Ick bin`n kleener Könich,
jebt mich nich zu wenich,
laßt mich nich zu lange stehn,
ick muß noch`n Haus weiterjehn.
Die Kinder erhielten dann leckere Wurstzippel, Speckstückchen und Fastnachtsbrezeln, die auf die mitgeführte kleine Astgabel gespießt wurden.
 
Auch in Pommern wurde am Karfreitag kein Fleisch gegessen. Es gab Fisch aus pommerschen Gewässern. Wer sich nicht an diese Sitte hielt, der musste schwer büßen. Im Sommer wurde er zur Strafe dafür dann tüchtig von den Mücken gestochen. Ferner unterließ man am Karfreitag auch jegliche Art von Besuchen: "Stiller Freitag"!
Das Osterwasser hatte nach altem Volksglauben nicht nur eine reinigende, sondern auch eine heilende Wirkung. Um solches Osterwasser zu erhalten, musste mancherlei beachtet werden. Es konnte nur am Ostersonntag vor Sonnenaufgang aus einem nach Osten fließenden Gewässer und zwar "gegen den Strom " geschöpft werden. Die Gefäße dazu wurden vorher sorgfältig gereinigt und geputzt. Vor allem durfte beim Osterwasserholen kein Wort gesprochen werden, sonst verwandelte es sich in wertloses "Brabbelwasser", das keinerlei Heilung versprach. Die Burschen lauerten den Wasser holenden Mädchen auf und versuchten  mit allerlei Schabernack, sie zu erschrecken und zum Sprechen zu veranlassen, oft mit bestem Erfolg. Der erste Trunk am Ostermorgen vom "richtigen" Osterwasser sollte von besonderer Heilkraft gegen viele Krankheiten sein. Wer sich mit Osterwasser wäscht, wird besonders hübsch. Es war verständlich, dass sich viele Mädchen dieser Handlung unterzogen; denn wer wollte nicht gern hübsch werden?
Das "Osterstiepen" ist auch auf einen alten Volksglauben zurückzuführen. Die Stiepruten , Birken-, Haselnuss- oder Weidenruten galten als "Lebensruten". Wer von einer solchen geschlagen wurde, sollte sich während des ganzen Jahres besten Wohlergehens erfreuen. Schon rechtzeitig vor Ostern schnitt man diese Ruten, stellte sie ins Wasser, damit sie bis zum Fest etwas ausgrünen sollten. Mit diesen Ruten wurden dann am Ostersonntag die Langschläfer  "gestiept". Man ging möglichst leise ins Schlafzimmer des Opfers, zog die Decke weg und "stiepte" es mit den Worten:
Stiep, stiep, Osterei!
Gibst du mir kein Osterei,
Stiep ich dir dein Hemd entzwei!
Die Süßigkeiten lagen schon griffbereit, weil man sich dieser Prozedur so schnell wie möglich entziehen wollte.
 
Zu Pfingsten wurden die Häuser mit jungem Birkengrün reichlich geschmückt. Das ganze Haus wurde von innen und außen damit geschmückt. Hinter jedes Bild, über jede Tür wurde ein grüner Zweig gesteckt und verbreitete einen herrlichen Duft. Ganz besonders wichtig war es, dass ein Zweig hinter den Spiegel gesteckt wurde, damit das Haus vor Blitzschlag geschützt war.
 
Jedes herausragende Familienfest hatte seine Besonderheiten. Wurde ein Kind geboren, so brachten die Nachbarn der jungen Mutter die "Wöchnerinnensuppe", damit sie bald wieder zu Kräften kommen  sollte. Dem Neugeborenen wurde bis zur Taufe immer ein Kleidungsstück mit der Innenseite nach außen angezogen, also "links" herum, um es vor dem bösen Blick oder dem "Verrufen" zu schützen. Zur Taufe erhielt der neue Erdenbürger von jedem Paten einen Patenbrief. Außer dem Glückwunsch für den Lebensweg enthielt er 1 Stück Brot, 1 Geldstück, 1 Nähnadel mit Faden,   1 Bettfeder und 1 Blatt aus dem Gesangbuch, damit es dem Patenkind niemals in seinem Leben an weltlichen und geistigen Gütern fehlen würde, damit es immer Arbeit, Brot, ein Bett und ein Zuhause haben sollte und einen christlichen Lebenswandel führte.
In der Zeit, als man es mit Sitte und Moral noch sehr streng nahm, durften nur die Mädchen, die unberührt in die Ehe gingen, in Kranz und Schleier vor den Traualtar treten. Alle, die sich bei einem Tächtelmächtel  hatten erwischen lassen, aber trotzdem unbedingt in Kranz und Schleier heiraten wollten, durften nur einen offen Kranz tragen. Regnete  es der Braut  in den Kranz, so bedeutete es Glück. Soviel Tropfen Regen, soviel Glück und Segen. War es am Hochzeitstag stürmisch und spielte der Wind heftig mit dem Schleier, so wurde auch die Ehe stürmisch. Auf dem Weg zur Trauung durfte sich die Braut nicht umsehen. Sie sah sich sonst schon nach dem Nächsten um. Um in der Ehe die führende Rolle zu bekommen, gab es für die Braut ebenfalls einige weise Ratschläge. Es konnte nichts schaden, wenn sie sich etwas Suppenkraut und Dill in den Schuh legte und bei der Trauung unhörbar vor sich hinsprach:
Ick stoh up Krut un Dill,
und wenn ick red`,
denn schwichst du still.
Der jungen Frau wurde auch geraten, das Hochzeithemd des Mannes mit verknoteten  Ärmeln in den Schrank zu legen, damit die Macht des Mannes gebunden war. Bei einer Hochzeitsfeier durften auch nicht die Fenster verhängt werden. Jeder hatte das Recht zuzuschauen. Je mehr Zuschauer, um so mehr Glück in der Ehe. Den Zaungästen wurden Getränke gereicht, damit sie auf das junge Paar anstoßen konnten, und bei bestimmten Tänzen durften sie mit der Braut tanzen.
Wenn jemand im Haus gestorben war, dann wurde die Uhr angehalten und die Spiegel wurden mit Tüchern verhängt. Stand die Leiche über Sonntag so holte sie bald einen anderen aus der Familie nach. Nach der Beerdigung wurden Verwandte und Freunde zu einer Kaffeetafel geladen, bei der dem Streuselkuchen tüchtig zugesprochen wurde. Anderer Kuchen wurde für diesen Anlass nicht gebacken.
 
Rezept des Streuselkuchens
aus dem Buch "Luisenhofer Backen und Schlachten" zusammengestellt von Chr. Dumrath, erschienen 1938 Bakesche  Buchdruckerei und Verlagsanstalt , Pyritz in Pommern.
500 Gramm Mehl, 25- 30 Gramm Hefe, 1/4 Liter Milch, 60- 100 Gramm Fett, 80 Gramm Zucker, 1 Prise Salz,          Fett zum Einstreichen.
Streusel: 300- 400 Gramm Mehl, 150-200 Gramm Butter , 250 Gramm Zucker, 1/4 Teelöffel Zimt oder 2 Vanillin. 
Der gut gegangene Hefeteig wird auf einem Blech ausgerollt, mit Fett oder Milch bestrichen und zum Gehen hingestellt. Zu den Streusel mischt man das Mehl mit dem Zucker und Zimt und dem zerlassenen Fett, arbeitet die Masse mit der Hand durch, verteilt sie gleichmäßig auf der Teigplatte und bäckt den bei Mittelhitze. Ersetzt man 50 Gramm Butter durch 3 Esslöffel Speiseöl beim Anmengen der Streusel, werden sie besonders mürbe.
 
Die Adventzeit diente der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Jede Gegend hatte ihre speziellen Backwaren, die für das Fest hergestellt wurden, aber allen Pommern ist die Vorliebe für die Weihnachtsgans angeboren. Welche herrlichen Gerichte ließen sich aus der Gans zubereiten. Schwarzsauer mit Backobst und Klößen. Oder Gänseschmalz mit Thymian gewürzt als Brotaufstrich. Thymian ist aus der Pommerschen Küche nicht wegzudenken. Wer denkt nicht an die Pommerschen Wrucken (Steckrüben) mit Gänseklein?
Weihnachtsbaum und Kerzen gehörten auch in Pommern zum Weihnachtsfest. Am Weihnachtsabend begangen die zwölf heiligen Nächte. Was man in diesen Nächten träumte, das ging in Erfüllung. In den "Zwölfen" durfte keine Wäsche gewaschen, keine Leine gezogen oder Wäsche aufgehängt werden. Sonst beschwor man den Tod eines Familienmitgliedes herauf. Das Wetter für das kommende Jahr konnte man aus einer zerschnittenen Zwiebel deuten. Jede Scheibe wurde einem bestimmten Monat zugeordnet. Jeder Tag in den "Zwölfen" versinnbildlichte ebenfalls einen Monat. Blieben die Scheiben trocken, so war in den entsprechenden Monaten schönes Wetter zu erwarten, wurden sie feucht, so musste mit Regen gerechnet werden.
 
Zum Jahreswechsel wurden Pfannkuchen und Schürzkuchen gebacken. Mit Glühwein wurde auf das neue Jahr angestoßen. Wer die Schuppen des Sylvesterkarpfens in sein Portemonnaie tat, hatte im kommenden Jahr nie eine leere Geldbörse.
Wo Gänse gehalten, geschlachtet und Federn gerupft wurden, mussten die Federn hinterher noch "bettfähig" gemacht werden, indem man die harten und spitzen Teile der Federn sorgfältig heraussammelte. Das Federstreifen wurde gern in der arbeitsfreien Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr vorgenommen. Das besorgten befreundete oder benachbarte Familien gemeinsam. An lang ausgezogenen oder zusammengestellten Tischen, ging es in bunter Reihenfolge sitzend, an die Arbeit. Das "Neueste" aus dem Dorf, lustige Gesänge, allerlei Erzählungen und auch Spukgeschichten sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam. Gewöhnlich war die Arbeit erst gegen Mitternacht beendet. Dann gab es Kaffee und reichlich Kuchen. Gegen ein Uhr, wenn die Geisterstunde vorbei war, trennte man sich, um am nächsten Abend das Streifen bei einer anderen Familie fortzusetzen, bis auf diese Art alle ihre Federn "bettfähig" hatten.
Dieses ist eine Auswahl aus den Erzählungen von alten Personen aus Pommern.