Zamzow

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Dorfleben

In der Gemeinde Zamzow lebten im Jahr 1939  305 Personen in 73 Haushalten.

Der Bürgermeister war Otto Maaß.

Die einklassige Volksschule stand an der unteren Dorfstraße. Die Schule mit Lehrerwohnung war ein ziemlich neues Gebäude. Bis zur Pensionierung, Anfang der dreißiger Jahre, war Hans Stauske Lehrer. Danach unterrichtete der Lehrer Walter Menzel. Dieser war gleichzeitig Amtsvorsteher des Amtes Zamzow. 

Die Schule um 1920

Die Schulkinder führten 1933 das Theaterstück "Dornröschen " auf.

Obere Reihe: v. links stehend: Rudolf Grünke, Lehrer Walter Menzel , davor Emil Maaß, daneben sein Bruder Kurt Maaß, Paul Rohde, Heinz Möhrke, dahinter Willi Kunst, Heinz Giese, Alfred Kunst, Hans Ohst, Paul Kudla, davor der Junge in Weiß mit Schüssel Heinz Grünke. Im Häuschen ganz hinten links Mariechen Heidemann. Die unterste 1. Reihe der Mädchen v. l. n. r.: Lieselotte Lüdtke, Martha Heidemann, Edith Möhrke (m. Puppe) Hilde Redepennig, Hildegard Lüdtke mit Blumenkranz, Käthe Lück. 2. Reihe v. links: Charlotte Redepfennig, in der Mitte Elfriede Krohn, Heinz Lübke, davor mit den blonden langen Haaren Waltraut Henke, Anneliese Menzel Tochter des Lehrers.

In der Landwirtschaftsschule in Freienwalde erhielt die bäuerliche Jugend  ihre Fachausbildung. Diese Schule besuchten folgende Personen: Thea Mattke, Marta Genz, Grete Mattke und Grete Lüdtke.

Das Standesamt von Zamzow stand schräg gegenüber von der Gaststätte Robert Föske und wurde von Kurt Schulz geleitet.

Neben der Kirche befand sich der Dorfplatz, auf dem von Zeit zu Zeit Karussells und kleine Zirkusse gastierten. Dieser Platz war größer geworden. Ende der zwanziger Jahre war das dort stehende, lang gestreckte Wohnhaus für Gutsarbeiter  abgebrannt. 

Hausarzt Dr. med. Hans Strache Dramburg
Tierarzt Dr. Kissau Dramburg
zuständiges Postamt  Gienow

Gienow

zuständiges Amtsgericht
 
Nörenberg in Pommern
zuständiges Finanzamt  Stargard in Pommern
Landratsamt und Kreisverwaltung des Kreises Saatzig Stargard in Pommern
Grundbuchamt Nörenberg
Getreidewirtschaftsverband Pommern Getreidewirtschaftsstelle Stargard in Pommern
Kartoffelwirtschaftsverband Pommern Arndtstraße 18a Stettin
Gemeinnützige Haftpflichtversicherungsanstalt
 der Pommerschen landwirtschaftlichen
Berufsgenossenschaft  
Postfach Stettin
Pommersche Feuersozietät  Pölitzer Str.1 Stettin
CERES Hagelversicherungsgesellschaft Innsbrucker Str. 45 Berlin- Schöneberg
Ueberlandzentrale Pommern AG  Birkenallee 5-7  Stettin-Grabow
Ärztliche Verrechnungsstelle Pommern-Ost e.V. Lindenstraße 191, I. Belgard  Pommern
Landeskrankenkasse für den Kreis Saatzig Hindenburgstraße 4 Stargard
Bürgermeister der Nachbargemeinden
 

 

Ernst Giese
1936:  August Wegner
Georg Lenz
Dr. Reinhold Reichert
Grassee
Klausdorf
Welschenburg
Janikow

Es gab in Zamzow einen Kriegerverein und den Fußballverein „SV Germania 1922. Der Kriegerverein veranstaltete sein Sommerfest mit Schießen immer in den Bauernfichten. 

Im Winter führte der Kriegerverein ein Theaterstück im Saal der Gastwirtschaft Föske auf. Dieses Stück hieß:
"Rosen blühen auf dem Heidegrab"

Folgende Personen spielten mit: Arthur Lüdtke sitzend, davor liegend Gerhard Föske, Walter Heidemann, von links die Uniformierten Georg Henke, Alex, der bei Lüdtke gearbeitet hat, Fritz Bieck, Willi Jäger, Paul Falk, Fritz Heidemann, Margarethe Genz, Else Heidemann, Gertrud Jäger, Hertha Kunst.

Theaterstück: "Die feuchte Selma"

v. l. n. r. vorne sitzend: Else Heidemann, Georg Henke, Elfriede Buntrock, Grete Gentz, Herbert Buntrock,
dahinter stehend: Dorothea Mattke, Fritz Schulz mit Bart, Mariechen Heidemann, Alfons Wisnewski, Lehrer Walter Menzel
 
Bunter Abend auf der Bühne bei Föske: Hans Schumann, v.l.n.r.
Frieda Jugert, Käthe Frank, Margarethe Heidemann, Gertrud
Schwanz, Martha Heidemann, Margarethe Wenger, Hildegard
Lüdtke (1941)
v. l. n. r. Frieda Jugert(Gutsmamsell), Elsbeth Wenger, Gertrud Schwanz (Tochter vom Schmiedemeister), Margarethe Wenger, (Tochter vom Schweizer) Maria-Martha Dummer (Sekretärin vom Gut.)

Fußballfreunde: Alfred Kunst, Willi Ohst, Heinz Lübke.
August 1940 auf dem Dorfplatz
Skatabend : Heinz Lübke, Walter Kassanke, Ernst Weichbrodt am 10. Februar 1940
Für den Sportverein hatte der Gutsbesitzer einen Fußballplatz zur Verfügung gestellt. Der letzte Platz befand sich in der Nähe des Bahnhofs.

v. links n. rechts Willi Schumann, Willi Falk, Paul Heidemann, Hermann Grubert, Fritz Bieck, Paul Falk,  Fritz Schulz, Gerhard Föske, Franz Wähler, Kurt Reinholz, Paul Kollath.
Nur die Spieler 2,3,4 haben den Krieg überlebt.
 
In Zamzow, an der Kreisbahn gelegen, stand das Gemeinschaftsbackhaus.
 
Damit die Einwohner ruhig schlafen konnten, gab es den Nachtwächter Karl Zühlsdorf. Er heizte nachts die Schule und machte von dort aus seine Rundgänge durch das Dorf.
 
Für die Hausschlachtungen war der Schäfer Karl Mittag zuständig. Der Fleischbeschauer hieß Otto Block.
In den letzten Wochen vor Weihnachten wurde fast in jeder Familie ein Schwein geschlachtet. Am Tage vorher musste der Trichinen- und Fleischbeschauer Otto Block das betreffende Schwein noch lebend gesehen haben. Dann wurde der Schäfer Karl Mittag , der Hausschlachtungen durchführte, benachrichtigt. Bei meinen Großeltern kam der Schwiegersohn Erich Schlüter aus Wangerin und schlachtete das Schwein. Am nächsten Tag, wenn es noch dunkel war, wurde schon heißes Wasser im Kartoffeldämpfer gemacht. Sobald das Tageslicht es erlaubte, wurde das Schwein auf den Hofplatz geführt und geschlachtet. Das aufgefangene Blut wurde mit einer Prise Salz versehen und durch ständiges Rühren vor dem Gerinnen bewahrt. Das Blut wurde für Blut - und Grützwurst gebraucht. Manche nahmen es auch für Schwarzsauer. Bei meinen Großeltern wurde das Blut von Gänsen zu Schwarzsauer genommen. In den großen Holztrog wurde eine starke Kette über die beiden Seitenwände gelegt. Hiermit wurde das Schwein in dem heißen Wasser hin und her bewegt, dadurch gingen die meisten Borsten ab. Der Rest wurde mit einer Art Glocke und einem scharfen Messer beseitigt. Dann wurde das Schwein auf einer Leiter an einer Art Schwengel an den Hinterleinen aufgehängt. Nachdem es ausgenommen war, blieb es bis zum Abend zum Abkühlen hängen. Jetzt wurden die Därme und Magen sehr gründlich gereinigt. Dem Wasser wurde Alaun beigefügt. Nach dem Freigabestempel wurde ein Stück Fleisch abgeschnitten und durch den Fleischwolf gedreht. Mit den nötigen Gewürzen versehen, Majoran und Thymian durften nicht fehlen, wurden die gut schmeckenden Frikadellen gebraten. Nach dem Essen wurden das Fliesenfett (Flomen) und das Fleischfett in Würfel geschnitten und zu Schmalz ausgebraten. Die beim Ausbraten entstandenen  Grieben wurden mit Thymian, Majoran und Zwiebeln gewürzt und anschließend noch durch den Fleischwolf gedreht. In einem Kochtopf mit Griebensalz wurden einige geschälte Äpfel im Fett gar gekocht und anschließend untergemischt. Dies ergab einen gut schmeckenden Frühstücksaufstrich. Die Leber, der Kopf, die Zunge, das Herz, die Schwarten und einige Fleischstücke wurden ohne Salz gekocht, weil sie  am nächsten Morgen schon kalt sein mussten für die Wurstherstellung. Nach einem ordentlichen Frühstück wurde mit der Herstellung der Mettwurst begonnen, danach folgte die Lungwurst. Nachdem die Leberwurst hergestellt war, wurde die Blut- und Zungenwurst gestopft. Bei einem kleinen Rest, der für 3-4 Würste reichte, wurde ordentlich Zucker beigemischt. Diese süße Blutwurst war besonders bei den Kindern beliebt. Jetzt mussten die Leberwurst und Blutwurst gekocht werden und anschließend probiert werden. War diese Arbeit erledigt, wurde die Grützwurst gekocht. Da es noch keine Gefriertruhe gab, musste das noch übrige Fleisch eingekocht oder mit Salz haltbar gemacht werden. Dies geschah in einem Pökelfass, welches im Keller stand. Auch der Schinken, der geräuchert werden sollte, musste für 4- 6 Wochen in die Salzlake. Die Mettwurst, die Lungwurst und die Blutwurst wurden jetzt in die Räucherkammer gebracht. Nach ein paar Tagen konnten die frisch geräucherten Leberwürste und Blutwürste genossen werden. 
Gegenüber dem Dorfplatz hatte Robert Föske neben der Gastwirtschaft auch das einzige Kolonialwarengeschäft im Ort. Im Obergeschoß des Gebäudes war der Saal, in dem Vereinsfeste gefeiert wurden.

Es gab auch einen Schuhmachermeister, der hieß  Wilhelm Kassanke. Er hatte auch eine Nebenerwerbsstelle.

Außer dem Gut gab es noch zwölf Bauern und einige Büdnerstellen in Zamzow.

Die Besitzer von Bauernhöfen waren:

Name EHW Sa ha Acker Wiesen Unland Pferde Rinder dav. Kühe Schafe Schweine
Beetz, Erich   25                 
Föske, Martha   20                
Gentz, Richard 350 70 63 6 1 6 40 15   30
Jäger, Paul   23,5 16 7 0,5 3 12 6 4 15
Lübke, Franz 115 24 20,5 3 0,5 2 16 6   15
Lüdtke, Arthur 121 25 21,5 3 0,5 2 15 6   14
Maaß, Otto 130 25 21,5 3 0,5 2 16 6   19
Mattke, Richard   30                
Schulz, Kurt 115 22 19,5 2 0,5 2 15 6   18
Tessmann, Georg 106 22 19,5 2 0,5 2 15 4   18
Tölle, Karl   12                
Weichbrodt, Otto   20                

Die Höfe von Tessmann und Beetz lagen ca. 2 km vom Dorf entfernt und wurden mit "Abbau Reißaus" bezeichnet.     Zu jedem Hof gehörten 2 bis 3 Pferde. Das nördlich des Dorfes gelegene Moor wurde von Landwirten als Wiesen und Weiden genutzt. Anfang der dreißiger Jahre wurde auch noch Torf gestochen.

Die Büdner waren Nebenerwerbsstellen. Die Besitzer betätigten sich als Waldarbeiter oder Handwerker. Waldarbeiter waren: Paul Ohst, Emil Haack, Reinard Mattke. 

Die alte Zamzower Mühle gehörte bis 1942 zur Gemeinde Grassee.  Die Mühle mit Wald wurde gegen Wald des Gutes Zamzow getauscht. Einige Jahre vor Ausbruch des 2. Weltkrieges brannte sie ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Die letzten Mühlenbewohner war die Familie Weichbrodt, die dann im Dorf eine Bauernstelle erwarben.

Die in Zamzow produzierte Milch hat Hermann Grubert mit einem Pferdegespann vom Rittergut zur Molkereigenossenschaft Janikow e. G. m. b. H. in Janikow gefahren. Der Meierist hieß Wilhelm Jahnke.

Auf dem meist sandigen Boden wurden sehr viel Roggen und Kartoffeln angebaut. Während der Ernte wurde ein Teil der Kartoffeln an die Stärkefabrik in Janikow geliefert.

Stärkefabrik Janikow

Die erzeugten Speisekartoffeln und der Roggen wurden an den Dramburger Ein- und Verkaufsverein e. G. m. b. H. in Dramburg verkauft. 

Das Getreide wurde aber auch an die Firma M. Prillwitz Mühlenwerke in Wangerin geliefert. Da Dramburg die nächstgelegene Stadt war, konzentrierten sich die meisten Geschäftsbeziehungen der Bewohner dorthin. Bis Dramburg waren es nur 11 Kilometer. Die Kreisstadt Stargard war ca. 40 Kilometer entfernt. 

Hier wurden die Bankgeschäfte getätigt.

Dramburger Kreis- Sparkasse in Dramburg

Notgeldausgaben in der Zeit zwischen 1918 und 1923

Nach dem 1. Weltkrieg wurde das umlaufende Kleingeld so knapp, dass sich Kreis- und Stadtverwaltungen entschlossen, dem Mangel durch Herausgabe von Notgeldscheinen abzuhelfen. Diese Scheine sollten Zahlungen im lokalen Bereich erleichtern. Sie hatten nur eine bestimmte Zeit Gültigkeit; sie konnten bei den zuständigen Kreis- und Stadtkassen eingelöst werden. Im Kreis Saatzig wurden in der Zeit von 1920 bis 1922 die so genannten Serienscheine von den Städten Freienwalde, Jacobshagen und Nörenberg herausgegeben.  Am 20. November 1923 fand die Inflation   mit Einführung der "Rentenmark" ihr Ende. An diesem Tag wurde der amerikanische Dollar als Weltleitwährung mit 4,2 Billionen deutsche Papiermark bewertet. - Auch die Notgeld- und Inflationsausgaben der Städte und Gemeinden verloren damit in ihren örtlichen Geltungsbereichen ihre Gültigkeit.

Notgeld des Kreises Dramburg aus dem Jahr 1920

 

Im Dramburger Land gibt's wie bekannt
Ein Institut "die Schleifmühle" genannt.
Wer unsere Not noch nicht begriffen,
dem wird hier der Verstand geschliffen.
Zehn Pfennig zahlt die Kreiskommunalkasse in Dramburg ohne Legitimationsprüfung dem Einlieferer dieses Scheines bis spätestens einen Monat nach amtlicher Bekanntmachung im Dramburger Kreisblatt.

Dramburg, den 6. August 1920   der Kreisausschuß 

In der Zeit von 1894 bis 1.Oktober 1897 wurde die Strecke der Saatziger Kleinbahn von Grassee bis Janikow gebaut und somit auch durch Zamzow.
Hier wurde das Grubenholz aus dem Wald,  sowie die geernteten Kartoffeln für die Stärkefabrik in Janikow verladen

        Helga, Tochter v. Elisabeth Schreiber geb. Reinholz                   Der Bahnhof der Saatziger Kleinbahn in Zamzow 

Es wurde sogar Vieh nach Dortmund geschickt

Namensschild für Pferdegespanne

 

 

 

Diesen pommerschen Ackerwagen konnte "kurz" oder "lang" gefahren werden. Damit ist gemeint, dass man ihn von einem kurzen  Ackerwagen mit Seitenbrettern auch als Dünge- oder Mistwagen, in einen langen Erntewagen mit Wagenleitern verwandeln konnte. Es wurde dann nur zwischen Vorder- und Hinterwagen eine Verlängerungsstange eingesetzt, die dann am Langbaum des Hinterwagen befestigt wurde.
     Das Holz wird zum Bahnhof gefahren (Erich Jäger)                                                     Dung fahren        
                                Kartoffeln pflanzen                                                      Kartoffeln sortieren (links Gertrud Falk)

                                     Kartoffelernte                                                                    Binderin bei der Arbeit

 

Schon 1824 gab es das Stargardter Wochenblatt. Sie hatte acht Seiten. Es wurde über folgende Themen berichtet:
eine Erzählung in zwölf Kapiteln; Anekdoten; Silbenrätsel; Bekanntmachungen; Hausverkäufe; Vermietungen; Kaufgesuche; Auktionen; Literarische Anzeigen; kirchliche Bekanntmachungen: Aufgebote und Todesliste sowie die Preise für Weizen, Roggen, große Gerste, kleine Gerste, Malz, Hafer, Buchweizen, Erbsen und Kartoffeln